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Schon vor 40
Jahren wies der britische Endokrinologe Dr. Simeons darauf hin, dass
Körperfettlager auf verschiedene Diäten unterschiedlich reagieren. Er
unterscheidet drei Arten von Fett: das Reservefett unter der Haut, das
Strukturfett, eine Art natürliches Verpackungsmaterial für die Organe, und das
diätresistente Depotfett.
Bei einem Menschen mit funktionierendem Fettstoffwechsel
genügt eine quantitative Einschränkung der Nahrungsmenge, um die gewünschte
Figur zu erreichen. Bei Störungen, die meist vererbt sind, schwindet das für das
gesunde Aussehen wichtige Reservefett, und ein oft beträchtliches Fettlager
(Depotfett) bleibt. Die fettlösende Wirkung des Schwangerschaftshormons HCG fand
Simeons unter anderem während seiner Forschungsarbeiten mit fettsüchtigen Jungen
in Bombay heraus.
Der natürliche Plazentawirkstoff humanes Choriongonadotropin
(HCG) bewirkte unter anderem eine Umverteilung von Fett am ganzen Körper. Auf
diese durchaus positive Nebenwirkung stützt sich auch Simeon's HCG Therapie.
Diese Substanz löst ein Fett im Körper, das sonst nicht angegriffen wird. Daher
verzeichnen wir ausgezeichnete Erfolge nicht nur bei generalisiert
übergewichtigen Patienten, sondern auch bei normalgewichtigen Personen mit
diätresistenten Problemzonen. Störende Fettpolster an Hüften und Rücken,
Oberschenkeln und Oberarmen verschwinden genauso wie Reithosen und Cellulite.
Die ambulante Behandlung besteht aus einer fettlosen,
kalorienarmen Diät, die das überflüssige Reservefett schmelzen lässt.
Die
zusätzlich verabreichten Injektionen von HCG während eines Zeitraumes von 23 bis
40 Tagen bauen das Depotfett ab.
Keine andere Diät kann deshalb eine so erstaunliche
Veränderung der Körperkonturen erzielen. Sogar Cellulite bessert sich deutlich.
Die Therapie erfordert allerdings vom Patienten wie auch vom
Arzt Disziplin und Einsatzbereitschaft. Sie muss genau nach Plan durchgeführt
werden, sonst ist der Erfolg der Kur nicht garantiert. Die Freude am Essgenuss
bleibt erhalten. Während der Diät findet im Körper eine enorme Abschwemmung des
gelösten Fetts statt. Oft muss man sich regelrecht zwingen, das Vorgeschriebene
ohne Hungergefühl aufzuessen.
Auf dem täglichen Menüplan stehen zwei Mahlzeiten, bestehend
aus 100 Gramm Eiweiß, wenig Kohlenhydraten, Frischgemüse ohne Fett zubereitet
und Obst. Die Patienten sind während der Kur in der Regel voll arbeitsfähig,
zeigen keine Müdigkeit und fühlen sich richtig wohl, selbst bei 13, 17 oder
sogar 20 Kilo Gewichtsverlust.
Unerwünschte Nebenwirkungen konnten über all die Jahre nicht
festgestellt werden. Allerdings gibt es doch einige Kontraindikationen
(Situationen, bei denen die Cura Romana nicht angewandt werden sollte). Dazu
gehören hauptsächlich Schilddrüsenstörungen. Daher ist vor der Kur eine genaue
ärztliche Untersuchung erforderlich.
Der äußerst wichtige Beitrag des Arztes zum Kurerfolg besteht
aus der Überwachung der eingehaltenen Essdisziplin, da den Patienten oft erst
eine Art Ess-Sucht-Verhalten abgewöhnt werden muss, sowie der HCG Verabreichung
dreimal in der Woche. Wichtig ist auch eine reichliche Flüssigkeitszufuhr.
Während der ebenfalls kontrollierten Nachkur wird das
erlernte Essverhalten getestet.
© Dr. Lingard,
Wien
August 2005
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